Blended Learning

Kurz erklärt

Unter dem Begriff Blended Learning (integriertes Lernen) versteht man eine Lernform, bei der die Vorteile von E-Learning und Präsenzveranstaltungen kombiniert werden.

Expertenbericht

Wie Digitalisierung die Weiterbildung verändert

Bewährtes Lernen mit Vorteilen

Nicht erst seit der Corona-Krise befindet sich die Berufliche Weiterbildung im Wandel. Dennoch hat dieses Jahr die Aus- und Weiterbildung in Unternehmen, an beruflichen Schulen und bei Bildungsträgern vor Herausforderungen gestellt und einen enormen Wandel für das Lehren und Lernen mit sich gebracht. Wir benötigen ein neues Verständnis von Lernen im Zeitalter der Digitalisierung. Doch auch Unternehmen benötigen Ressourcen, wie sie in ihre Mitarbeitenden und deren Weiterbildung investieren können.
Durch die Corona-Pandemie kam es von März bis April 2020 zur Schließung von Bildungseinrichtungen. Die berufliche Bildung in Ostwürttemberg war hiervon auch betroffen. Die bewährten Präsenzlehrgänge und Seminare konnten nicht wie in gewohnter Weise stattfinden.
Die Weiterbildungsteilnehmenden als auch Unternehmen in der Region, die Firmenseminare buchen, schätzen das soziale Miteinander beim Präsenzlernen. Schließlich ist Lernen ein sozialer Prozess, der Austausch und Reflexion über Lerninhalte stärkt und zur Motivation beiträgt. Doch plötzlich war persönlicher Kontakt nicht mehr möglich.
Aus dieser krisenhaften Situation ergab sich ein Startpunkt zur Digitalisierung der Weiterbildung. Lernen 4.0 erfordert von allen Beteiligten – Lernenden als auch Lehrenden - in der Weiterbildung:
  • eine Beschäftigung mit neuen Kommunikations- und Lernplattformen,
  • didaktische Veränderungen des Unterrichts,
  • eine höhere Selbstständigkeit und Selbststeuerung beim Lernen sowie
  • neue Muster und Strategien des virtuellen Kontaktaufbaus.

Kommunikations- und Lernplattformen

Auf Learning-Management-Systemen (wie ILIAS, Moodle etc.) werden Lerninhalte zur Verfügung gestellt und Lernvorgänge zielgerichtet organisiert – jederzeit und ortunabhängig. Web-basierte, integrierte Kommunikations-Tools, auch genannt „Virtual Classrooms“ ermöglichen die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden – auch ortunabhängig und live. Während der Schließung von Bildungseinrichtungen war dies unbedingt notwendig. Doch nicht das „entweder Präsenz oder Online“ ist beim Lernen die richtige Lösung. Sondern die sinnvolle Verknüpfung zwischen Präsenzlehre und virtuellem Lernen, auch genannt Blended-Learning, wird zukünftig ein wichtiges Format der Weiterbildung sein.
Im virtuellen Live-Unterricht ist der Dozent oder die Dozentin in einem „Virtual Classrom“ als Moderator/in und Lerncoach für die Weiterbildungsteilnehmenden verfügbar und eine gezielte Kommunikation über Lerninhalte findet statt. Selbst Gruppenarbeit kann virtuell durch Einteilung der Teilnehmenden in virtuelle Gruppenarbeitsräume u.a. mit Whiteboard-Funktion zur Dokumentation der Gruppenergebnisse durchgeführt werden. Beim selbstständigen Online-Lernen können multimediale Lerninhalte (Schrift, Sprache, Bilder, Grafiken, Musik,…) von Teilnehmenden gezielt zur Vorbereitung, während des virtuellen Unterrichts oder zur Nachbereitung genutzt werden.

Didaktische Veränderungen während des Unterrichts und Selbstständigkeit beim Online-Lernen

Die neuen Lernmöglichkeiten ziehen didaktische Veränderungen nach sich. Schulmeister (2004) beschreibt in seinem didaktischen Dreieck virtuellen Lernens drei didaktische Ebenen, die hierbei für den Lernerfolg in der virtuellen Umgebung wichtig sind:
  • gezielte Anregung der Auseinandersetzung der Lernenden mit den Lerninhalten,
  • Austausch und Verständigung der Lernenden über den Lerninhalt sowie
  • gemeinsame Suche der Lernenden nach Lösungen zur Umsetzung des Lerninhalts in die eigene berufliche Praxis.
Eine didaktische Methode, die diesen Anforderungen gerecht wird, ist beispielsweise „Flipped Classroom“. Hierbei wird der Lerninhalt virtuell auf einer Lernplattform zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmenden beschäftigen sich damit selbstgesteuert und erarbeiten sich neues Wissen. Dies dient zur Vorbereitung auf den Live- oder auch den Präsenzunterricht. In diesem ist der Lehrende anwesend und beantwortet gezielt Fragen zum Lernstoff, stellt Aufgaben und unterstützt bei der Lösung. Dies hat zur Folge, dass der klassische „Frontalunterricht“ reduziert wird und die „Aufnahme von Lerninhalten“ eher in eine tiefere kognitive Beschäftigung mit den Lerninhalten übergeht. Hierbei wird ein höherer Grad an Selbststeuerung der Teilnehmenden beim Lernen erforderlich.

Neue Muster und Strategien des virtuellen Kontaktaufbaus

Sogenannte Foren und Wikis in gängigen Learning-Management-Systemen ermöglichen eine asynchrone Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden. Informationen und Lerninhalte können eingestellt werden und sind dokumentiert. Fragen können jederzeit gestellt und beantwortet werden. In den bereits genannten „Virtual Classrooms“ stehen Chats, Umfragetools, virtuelle Whiteboards und Gruppenarbeitsräume zur Verfügung, um Kommunikation wie 1:1 in Präsenz stattfinden zu lassen. Der virtuelle Unterricht steht dem Präsenzunterricht also in nichts nach.

Vorteile des Blended Learning

Die Zeit- und Ortsunabhängigkeit, die virtuelles Lernen bereitstellt, kommt vor allem Arbeitnehmern mit Familien- und Berufsverpflichtungen und mit Schichtarbeit zu Gute. Sie können sich ihre Lernzeit flexibler gestalten und auch jederzeit auf ihre Lerninhalte zugreifen. Zudem ist Online-Unterricht auch noch ökologisch wertvoll - es erspart lange Anfahrtswege zum Weiterbildungsort. Auf den persönlichen Kontakt mit der Weiterbildungsgruppe muss dennoch niemand verzichten. In der Regel findet an ausgewählten Präsenztagen der Unterricht mit den Dozentinnen und Dozenten weiterhin mit regem Austausch statt.

Literatur:
Schulmeister, R. (2004): Didaktisches Design aus hochschuldidaktischer Sicht. – Ein Plädoyer für offene Lernsituationen. In: Ulrike Rinn und Dorothee Meister (Hrsg.): Didaktik und neue Medien. Konzepte und Anwendungen in der Hochschule. Münster, New York: Waxmann (Bd. 21), S. 19-49.