Onboarding-Prozess

Kurz erklärt

Der Onboarding-Prozess beschreibt die Gewinnung eines neuen Firmenkunden bei einer Bank. Ziel sollte es sein, den Onboarding-Prozess so effizient und schnell wie möglich zu gestalten.

Expertenbericht

Wie die Digitalisierung Banken und Mittelstand wieder vereint

Mittelständische Unternehmen sehen sich aktuell mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Die Zeichen eines Abschwungs mehren sich und das internationale Umfeld, mit den Ungewissheiten des Brexits oder eines Donald Trumps, stellt sich zunehmend schwierig dar. Für viele Mittelständler ist aber auch die Beziehung zur eigenen Hausbank oft angespannt und manchmal gar eine Belastung. Es ist eben nicht immer leicht in der Beziehung zwischen Banken und dem Mittelstand. Oft sind traditionelle Banken nicht die Partner, die sich mittelständische Betriebe wünschen oder die sie bräuchten. Und doch sind sie aufeinander angewiesen. Wie aber kann ein besseres Verhältnis gelingen?
Es sind drei Punkte, die kleine und mittelständische Unternehmen auf der einen und Banken auf der anderen Seite einander wieder näherkommen lassen. Die Triebfeder hinter allen drei bildet die Digitalisierung. Denn dieser rein technische Aspekt könnte die Grundlage sein, sich wieder auf Augenhöhe zu begegnen. Den Anfang machen hier ein schlankes Onboarding sowie moderne Schnittstellen. Diese eher technischen Komponenten können bereits helfen, verlorengegangenes Vertrauen in der Zusammenarbeit zurückzugewinnen.


Allem Anfang sollte ein Zauber innewohnen

Zu Beginn jeder Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmen und einer Bank steht der Onboarding-Prozess. Wurden früher hier noch wahre Berge an Papier hin und hergeschoben, ist es heute durch die Digitalisierung möglich, diesen Prozess schlank und effizient zu halten. Es gibt bereits FinTech-Banken mit einem rein digitalen Ansatz, die diesen Prozess in wenigen Stunden schaffen. Dieser Benchmark muss auch für traditionelle Bankhäuser gelten. Der Geschäftskunde, der am Morgen ein Konto eröffnen will, soll abends schon seine Transaktionen damit durchführen können.
Bei klassischen Banken hingegen ist der Prozess noch zeitintensiv und aufwändig. Das hat mehrere Gründe: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers aus dem vergangenen Jahr, sind es nicht nur die hohe Anzahl der Fragen, sondern auch die Vielzahl an regulatorischen Bestimmungen wie DSGVO oder PSD2, die den Prozess zu einer Herausforderung machen .
Die Digitalisierung der Banken kann helfen, beide Probleme zu entschärfen. Eine bessere Verzahnung von Front-End und Back-End lässt viele manuelle Arbeitsschritte und Datenerhebungen wegfallen. Statt immer neue Lösungen auf ein bestehendes monolithisches Kernbankensystem aufzusetzen, ist eine komplette und einheitliche Digitalisierung des gesamten Systems mit entsprechenden Schnittstellen für externe Dienstleister mittel- bis langfristig eine sichere Investition. Kundendaten können so nicht nur sauberer empfangen und verarbeitet, sondern auch effizienter innerhalb der eigenen Organisation verarbeitet werden. Ein Aspekt, der den Onboarding Prozess erheblich beschleunigt. Gleichzeitig erlaubt ein modernes Banksystem durch die Möglichkeiten der Big Data-Analyse auch, Neukunden und Bestandskunden nicht mit redundanten Fragen bei der Kreditvergabe zu quälen.
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Alle Möglichkeiten der Finanzwelt für das Geschäftskonto

Ist der Onboarding Prozess beendet und das Konto eröffnet, gilt es für die Bank seinen Geschäftskunden die größte Auswahl und die besten Möglichkeiten der FinTech Welt zur Verfügung zu stellen. Neue Geschäftsmodelle, wie z.B. P2P-Lending und Schuldschein-Plattformen haben sich bereits zum Teil abseits der klassischen Bankenwelt etabliert. Für kleine und mittelständische Unternehmen werden solche flexiblen Varianten der Finanzierung in ihrer geschäftlichen Tätigkeit immer wichtiger. Gerade im KMU- Umfeld haben viele Banken ihren Geschäftskunden in den letzten Jahren zu wenig Möglichkeiten geboten.
In diesem Jahr wird die PSD2-Richtlinie für Banken verbindlich eingeführt. Sie schreibt vor, dass in Zukunft alle Kreditinstitute Schnittstellen anbieten müssen, um Dritten und deren Anwendungen Zugang zu ermöglichen. Die Einführung dieser Richtlinie bietet allen Banken eine große Chance, Anwendungen und Dienstleistungen aus dem FinTech-Bereich vollständig und umfangreich in das eigene Angebot zu integrieren. Je einfacher und gleichzeitig umfangreicher der Zugang zu diesen Angeboten ermöglicht wird, umso mehr profitieren die Bankkunden von diesen Möglichkeiten, sowohl im Private Banking wie auch im Banking für Geschäftskunden.
Kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) können somit in Zukunft nicht nur eine Vielzahl digitaler Anwendungen über ihre Hausbank aufrufen, sie sollten es auch. Der Zugang zu digitalen Finanzanwendungen muss zukünftig ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für eine Geschäftsbank werden.


Dem Mittelstand auf Augenhöhe begegnen

Mit der Vereinfachung von Onboarding und Kreditvergabe sowie dem verbesserten Zugang zur FinTech-Umwelt und ihren digitalen Produkten und Dienstleistungen sollte ein neues Miteinander entstehen. Die Digitalisierung senkt die Aufwände, welche Finanzinstitute mit Geschäftskunden haben, beträchtlich. Gleichzeitig ermöglicht die digitale Transformation der Geldhäuser neue Angebote für KMUs.
Banken sollten Unternehmen und ihre Anliegen wieder ernster nehmen. Der kleine Betrieb von heute kann morgen schon ein großer Player sein. In Zeiten schneller Umbrüche und Startup-Gründungen beschleunigt sich auch der mögliche Aufstieg von Unternehmen. Darüber hinaus, ist der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und sollte daher auch von Banken dementsprechend behandelt werden.
Zukünftig werden Banken gefordert sein, neue und digitale Kommunikationswege anzubieten und dem Wunsch nach Erreichbarkeit und Flexibilität nachzukommen, die immer mehr Kunden sich von ihrer Bank wünschen – sei es privat oder geschäftlich. Die Digitalisierung bietet Banken die Gelegenheit, kleine und mittelständische Unternehmen schneller und einfacher als neue Kunden einzurichten und auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnittene Angebote zu offerieren. Kurzum die Digitalisierung bietet die Möglichkeit für einen neuen Umgang zwischen Bank und Unternehmen.


Die Digitalisierung kommt nicht mehr, sie ist schon da

Zu den zahllosen Herausforderungen eines mittelständischen Unternehmens sollte die Beziehung zur eigenen Hausbank nicht gehören. Die Digitalisierung der Bankenwelt eröffnet den Geldhäusern die Chance, ihre Beziehungen zu KMUs neu auszurichten. Ein Aspekt davon sind schnelle, smarte und einfache Onboarding-Verfahren, die gleichzeitig auch die Sicherheit für beide Seiten erhöhen, und schon heute möglich sind. Der ganzheitliche Blick des Beraters auf den Kunden über alle Geschäftsfelder erhöht den Komfort für die Kunden und gibt den Kreditinstituten gleichzeitig die Möglichkeit, noch zielgenauere Angebote zu machen.
Im Ergebnis reduziert die Digitalisierung die Kosten der Bank, erhöht die Kundenzufriedenheit und ist gut fürs Geschäft. Gleichzeitig bietet sie völlig neue Möglichkeiten, wie sich Banken und Unternehmen vernetzen können. Darüber hinaus braucht es aber auch eine neue Kultur zwischen Banken und Unternehmen. Die Digitalisierung kann hierfür eine Grundlage schaffen. Den Willen dazu kann aber keine technische Innovation ersetzen.

Autor

Hohmann
Martijn Hohmann ist CEO und Co-Gründer von Five Degrees mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung im Bereich Banking und Finanzdienstleistungen. Der Unternehmer gründete Five Degrees, weil er glaubt, dass Banken mit bisherigen Legacy Technologien nicht ausreichend für die Zukunft gewappnet sind. Für digitale Transformationen brauchen Finanzdienstleister innovative Bankensoftware mit offenen APIs. Bevor er Five Degreees gründete, war Martijn Hohmann Managing Director bei Landsbanki, eine der größten isländischen Banken. Davor war er zehn Jahre bei der ABN Amro Bank, wo er mehrere Positionen im höheren Management bekleidete. Im Verlauf seiner Karriere war Hohmann auch als Equity Capital Markets Manager in einem Joint Venture mit Rothschild tätig, einem der weltgrößten unabhängigen Finanzberatungsunternehmen. Martijn Hohmann hat einen Abschluss in Business Economics der Erasmus Universität Rotterdam.