Europäische IT sichtbar machen

digiZ und ITE starten Partnerschaft

Neue Partnerschaft zwischen dem digiZ | Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg und dem Verein ITE stärkt die Sichtbarkeit europäischer IT-Lösungen.
Die Frage, ob eine IT-Lösung tatsächlich aus Europa stammt, gewinnt für Unternehmen und öffentliche Institutionen zunehmend an Bedeutung. Um Unternehmen bei der Einordnung europäischer IT-Angebote zu unterstützen und das Thema digitale Souveränität in der Region voranzubringen, gehen das digiZ | Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg und der ITE – Verein für IT aus Europa e.V. eine Partnerschaft ein. Hintergrund ist, dass zwar viele Anbieter mit europäischen Wurzeln werben, bislang jedoch häufig nachvollziehbare Kriterien fehlen, um den tatsächlichen Anteil europäischer Wertschöpfung zu bewerten. Genau hier setzt der ITE an und schafft mit praxistauglichen Maßstäben mehr Transparenz und Orientierung.
Der gemeinwohlorientierte Verein wurde im Mai 2025 in Giengen an der Brenz gegründet. Entstanden ist er aus dem Wunsch heraus, europäische IT-Unternehmen stärker sichtbar zu machen und Beschaffungsverantwortlichen eine verlässliche Orientierung zu bieten. Vorsitzender des Vereins ist Christian Herzog, CEO der EXTRA Computer GmbH, die ihre IT-Hardware vollständig in Deutschland entwickelt und fertigt.
„Es gibt genügend europäische IT-Produkte. Aber kaum jemand kennt sie und gerade für IT-Entscheider sind sie auch kaum vergleichbar. Wer heute europäisch beschaffen will, findet leider noch keine verlässliche Orientierung. Das will der ITE mit praxistauglichen Kriterien und Öffentlichkeitsarbeit ändern!“,
erklärt Herzog.
Steigende Anforderungen in der IT-Beschaffung
Die Bedeutung transparenter Lieferketten und nachvollziehbarer Herkunftsnachweise nimmt stetig zu. Neue regulatorische Anforderungen wie NIS2, DORA sowie aktuelle Vergaberichtlinien verpflichten Unternehmen und öffentliche Stellen zunehmend dazu, Abhängigkeiten, Lieferketten und Herkunft ihrer IT-Systeme nachzuweisen.
Damit wird die Frage nach der Herkunft von IT-Produkten nicht mehr nur zu einer politischen oder ethischen Entscheidung, sondern zu einem wirtschaftlichen Faktor. Wer Herkunft und Lieferketten transparent belegen kann, verbessert unter Umständen seine Chancen bei Ausschreibungen und Vergabeverfahren.
Nach Angaben der Europäischen Kommission ist die Europäische Union derzeit bei mehr als 80 Prozent der zentralen digitalen Produkte, Dienste und Infrastrukturen von Anbietern außerhalb der EU abhängig. Für viele Unternehmen stellt sich damit die Frage, wie sie digitale Souveränität konkret als Wettbewerbsvorteil nutzen können.
Netzwerk für europäische Wertschöpfung
Der ITE versteht sich dabei nicht als politische Interessenvertretung, sondern als Plattform für Markttransparenz und Vernetzung. Der Verein bringt Unternehmen entlang der europäischen IT-Wertschöpfungskette sowie Vertreter aus Forschung und Politik zusammen. Mitglieder tauschen sich über technische und beschaffungsrechtliche Fragestellungen aus und erarbeiten gemeinsam Kriterien, Netzwerkformate und Initiativen, die europäische Wertschöpfung in der IT sichtbar und nachvollziehbar machen.

Gütesiegel „IT aus Europa“ in Entwicklung
Ein zentrales Projekt des Vereins ist die Entwicklung des Gütesiegels „IT aus Europa“. Das Siegel soll künftig sichtbar machen, wie hoch der Anteil europäischer Wertschöpfung bei Produkten und Lösungen tatsächlich ist und damit Vergleichbarkeit für Beschaffungsentscheidungen schaffen.
Derzeit befindet sich das Vergabekonzept noch in der Entwicklungsphase. Unternehmen, die dem Verein bereits jetzt beitreten, können die Kriterien aktiv mitgestalten und ihre Erfahrungen in den Entwicklungsprozess einbringen.

Zusammenarbeit mit der Region
Durch die Partnerschaft von digiZ und ITE sollen Unternehmen in der Region künftig noch gezielter für die Bedeutung europäischer IT-Lösungen sensibilisiert werden. Gemeinsam wollen die Partner Wissen vermitteln, den Austausch fördern und Unternehmen dabei unterstützen, fundierte Digitalisierungs- und Investitionsentscheidungen zu treffen. Mit seinem Ansatz verfolgt der Verein das Ziel, europäische IT nicht nur als Standortvorteil zu verstehen, sondern als konkreten Wettbewerbsfaktor für Unternehmen und öffentliche Auftraggeber nutzbar zu machen.